KulturwegeIm und ums Dorf

Gestiljiu

[Niedergesteln]

Niedergesteln (walliserdeutsch: Geschtillu; frz. Châtillon-le-Bas) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Westlich Raron im Kanton Wallis in der Schweiz. Der Name Gesteln stammt ursprünglich vom Lateinischen castellum (= Schloss).

Das Dorf

Niedergesteln wurde möglicherweise durch savoyische Handelsleute im 11. Jahrhundert als teilweise befestigter Handelsplatz gegründet. Der Name "Gesteln" wird erstmals beim Kauf der Kastlanei Gesteln und Lötschen im Jahr 1179 erwähnt. Der Name Gesteln, lateinisch Chastellone Castellio, in der deutschen Sprache gleichzusetzen mit Burg, Feste sowie Schloss.

Das Dorf liegt am Fusse der im 12. Jahrhundert von den Herren von Turn erbauten Gestelnburg. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die begehbare und beleuchtete Eiszeithöhle im Innern des Burgfelsens. Das Dorfbild wird einerseits durch den Dorfkern geprägt, andererseits durch die Jolibachschlucht. Entlang dieser Schlucht gelangt man über Wanderwege, Suonen und die BLS-Südrampe ins Jolital, welches ein Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ist.

1. Gestelnburg

Das Wahrzeichen der Freiherren von Turn war die als uneinnehmbar geltende Burg auf der Feschti. Entsprechend ihrer Macht war auch die Burg die eindrücklichste Anlage im bischöflichen Oberwallis:
Vermutlich erbaute Peter IV. von Turn an der Stelle des früheren Wachturms das Schloss; es ist jedoch auch möglich, dass bereits Girold I. das Schloss erbaute.

Allein schon die Wahl des Standortes macht aus dieser Burg ein Modell ritterlicher Burgen des 13. Jahrhunderts. Es gab im Oberwallis keine Felsrippe ihres gleichen. Wie eine Laune der Natur tritt hier ein Felssporn aus dem Talhang quer ins Tal vor.

Die als Ruine erhaltene Burg auf dem ins Tal heinausragenden Felsvorsprung ist, den drei vorhandenen Wehrabschnitten nach zu schliessen, wohl in drei Etappen gebaut worden.

- Erste Etappe, 12. Jh.
Die zuoberst auf dem Burghügel liegenden Elemente - der Rundturm und die Bastei - können noch im 12. Jahrhundert entstanden sein.

- Zweite Etappe, 13. Jh.
Das zum zweiten Wehrabschnitt gehörende imponierende Herrengebäude (Palas) ist wohl im 13. Jahrhundert errichtet worden. Es geht über die ganze Hügelbreite und hat einen Grundriss von 40 x 13 Metern. Die Burgmauern weisen teilweise eine Dicke von drei Metern auf. Ein gewundener Weg führt hinauf ins Schloss, welches über eine monumentale bequeme Rampe betreten werden kann.

- Dritte Etappe
Die weiter unten liegenden Gebäude, wohl Dienstwohnungen und Wirtschaftsgebäude, sowie eine Zisterne, die "rote Wiichüefa", sind wohl später angefügt worden. Sie befinden sich innerhalb des dritten Verteidigungsdispositivs, welches gegenüber dem zweiten mit schwächeren Mauern ausgerüstet war. (Quelle: http://www.castellione.ch/sites/index.php/de/ritterburg)

2. Eiszeithöhle

Auf dem Burghügel befindet sich eine begehbare, beleuchtete Eiszeithöhle.

3. Prioratskirche

Die Anfänge der Kirche reichen ide Zeit um 1200 zurück. Es handelt sich um einen einschiffigen Bau, der vom 16. Bis ins 19. Jh. ohne wesentliche Veränderungen blieb.  Im Umbau von 1833/34 wurde die Kirche in einem einfachen klassizistischen Stil  mit gefluchtetem dreiseitig geschlossenem Chor umgebaut.

Die Seitenwände sind mit den Stationen des 1883 errichteten Kreuzwegs geschmückt. Der  schlanke, zweigeschossige Hochaltar (ein Marienaltar wird erstmals 1350 als Stiftung des Peter V. von Turn erwähnt) wurde 1857 durch Meister Jergen erb aut. Das Altarbild zeigt Maria mit dem Jesuskind, begleitet von zwei Engeln wurde 1857 von Lorenz Justin Ritz. Der linke Seitenaltar ist dem hl. Nikolaus geweiht und wird erstmals bei der Visitation von 1444 erwähnt. Der rechte Seitenaltar ist der Landesheiligen hl. Katharina geweiht und wird ebenfalls erstmals bei der Visitation von 1444 erwänt.

Der wuchtige, dreigeschossige Glockenturm mit Satteldach, ein sogenannter Käsebissenturm, wird eigentlich Ulrich Ruffiner zugeschrieben; neueste Untersuchungen der Holzteile verweisen aber auf die Jahr 1488 -1491. (Quelle: Kalbermatter Philipp: Niedergesteln S.85 ff.)

4. Kirchplatz

Der Kirchplatz wurde in den letzten Jahren sehr schön restauriert und mit Skulpturen des berühmten Künstlers Carl Constantin Weber geschmückt. Am westlichen Ende des Platzes befindet sich ein Informationsstand zum UNESCO Weltkulturerbe „Jungfrau- Aletsch“

5. Wefahüs

Eigentümer des Wefahüses sind die Munizipal- und Burgergemeinde Niedergesteln. Das Wefahüs ist eines der ältesten Wohnhäuser im Oberwallis. Die ältesten Teile stammen aus dem 12. - 13. Jh. Im Wefahüs befindet sich ein Uhrenmuseum, ein mächtiger Keller, ein funktionstüchtiger Backofen, eine offene Küche mit einer Rauchkammer, eine Stube und mehrere Kammern.

Das Wefahüs kann für Anlässe wie Geburtstagsfeiern, Firmenessen oder Apéros (Stube bis 20 Personen) bei der Gemeindeverwaltung reserviert werden.

5. Pfarrhaus mit Garten

Das heutige Pfarrhaus ist das dritte und stammt aus dem Jahre 1480 und wurde in den letzten Jahren vorbildlich restauriert. Es ist in seiner Kombination zwischen Holz- und Steinbau  ein hervorragendes Beispiel für ein typisches Walliserhaus. In den letzten Jahren wurde es in vorbildlicher Weise restauriert  Gleichzeitig wurde auch der Pfargarten neu gestaltet; er wurde zu einem kleinen Platz umgestaltet und bilden neben dem Kirchplatz ein wirklicher Blickfang im guterhaltenen alten Dorfteil.

Wandern: In den letzten Jahren wurde einiges an Wanderwege investiert; Niedergesteln ist mit einer Hängebrücke an das Wandernetz der Lötschberg Südrampe angebunden

Quellen und zusätzliche Informationen:
  • http://www.niedergesteln.ch
  • http://www.castellione.ch
  • Kalbermatter Philipp: Niedergesteln. Priorat und Pfarrei. Rotten Verlag, Visp, 2010, ISBN 978-3-905756-71-5
  • André Beerli: Unbekannte Schweiz: WALLIS. 26 Reisevorschläge, Hrsg. TCS und Shell Switzerland
  • Willi und Ursula Dolder: Das WALLIS. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 1986, 3. Auflage 1993
VS, 9. 11. 2010
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