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Stockmili

[Stockmühle]

Die heute noch sichtbare und 1984 restaurierte Stockmühle trägt am Gebäude zwar das Datum 1921, es gibt aber einen Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Müller Josef Millacher aus dem Jahre 1744, eine Art Wuhrordnung, die beweist, dass damals dort schon eine Mühle stand.4)

Die Stockmühle besticht durch die Einfachheit ihrer Bauart. Sie wurde von den Müllern des Dorfes oder von ortsansässigen, geschickten Handwerkern selbst konstruiert. Den Aufbau einer solchen Stockmühle gilt es nun am Beispiel Erneu zu verfolgen.

Das Gebäude ist meist recht bescheiden, steht an einem Bach oder an einem kleineren Wasserlauf. Von aussen ist dem Gebäude seine Bestimmung kaum anzusehen, denn das turbinenartige Wasserrad läuft meist in einer eingelassenen Grube. Auch die Inneneinrichtung ist recht bescheiden. Das Wasser treibt einen «Wendelbaum», eine hölzerne oder auch eiserne Stange, an der unten das Wasserrad angebracht ist. Diese Stange geht durch den unteren Stein der Mühle, den Bodenstein, durch und ist oben fest mit dem sich drehenden oberen Mühlstein verbunden. Was angeblich so einfach aussieht und einfach tönt, ist eine Technik, die sich über Jahrhunderte erhalten hat: primitiv, kaum störungsanfällig, tausendfach bewährt.

Sehen wir uns den Aufbau der Mühle näher an: Der wichtigste Teil ist die Welle, die in Erneu aus einem zirka 5 bis 6 cm dicken und 220 cm langen Eisenstab besteht, der unten eckig, von der Mitte bis zum oberen Ende rund ist (1). Auf der Fläche am unteren Ende ist ein zirka 3 cm tiefes pyramidenförmiges Loch zum Einstecken des Lagerbolzens. Etwa 15 cm weiter oben ist in der Stange ein rechteckiges Loch. Hier wird ein Keil eingesteckt, der das Turbinenrad trägt (2). Das Ganze ist auf einem lärchenen Balken aufgebaut, der eine Aufgabe zur Regulierung der Mühle hat (3). In diesen Balken ist ein Eisenstück von zirka 5 cm Dicke eingelassen (4), das Lager für den runden Bolzen (5), der oben in das pyramidenförmige Loch greift und sich unten im Eisenstück dreht. Es ist ein äusserst primitives Lager, es ist aber dauernd im fliessenden Wasser und so gekühlt.

Die Nabe des Turbinenrades (6) ist ein Stück eines Lärchenstammes, ist 60 cm hoch und hat einen Durchmesser von 45 cm. Oben und unten ist die Nabe mit einem starken Eisenring gebunden, dazwischen sind die Einschnitte für die 12 Schaufeln des Rades ausgestemmt. Die Schaufeln (7) sind 38 cm hoch, 50 cm lang und 10 cm in die Nabe eingelassen. Am oberen Ende werden sie mit einem runden Deckel von 105 cm Durchmesser abgedeckt, um ein Hochspritzen des Wassers zu verhindern. Gerichtet wird das Rad mit einfachen Holzkeilen (8). Knapp unter dem Grundstein der Mühle dreht sich mit der Welle eine Holzscheibe von zirka 20 cm Durchmesser mit 2 Eisenbolzen (9). Sie haben die Aufgabe, den Schüttler in Betrieb zu halten. Diese Bolzen sind für das Klappern der Mühle verantwortlich. Der Grundstein der Mühle liegt auf zwei festen Balken auf, wird mit Keilen oder Schrauben gerichtet, hat einen Durchmesser von 105 cm und eine Dicke von 25 bis 30 cm (11). Aussen und auf der untern Seite ist er grob behauen, die Oberfläche ist sehr genau bearbeitet. Immer ist der Bodenstein um einige Zentimeter grösser, hat meistens aussen einen Rand und ist leicht konvex gehauen. In dieser Vertiefung dreht sich dann der leicht konkave eigentliche Mühlstein (13), der mit der Welle durch einen aufgesteckten Eisenteil, die Haue (12), fest verbunden ist und sich im gleichen Tempo wie das Turbinenrad dreht. Das Lager im Grundstein ist aus Holz in zwei Teilen gefertigt (10), ist oben bündig mit dem  Grundstein und wird von unten verkeilt. Durch das Tempo des sich drehenden Steines wird das Mahlgut an den Rand geschleudert, läuft durch eine eingeschnittene Kerbe am Rand in den Mehlkanal und durch diesen auf das Sieb im Mehlkasten. Dieser Kern der Mühle, der sich drehende Mühlstein, wird abgedeckt durch einen runden Holzkasten mit einer zirka 20 cm hohen Zarge (14) und einem runden Holzdeckel. Die Zarge liegt auf dem Rand des Grundsteins und ist zugleich die Trägerin des Korntrichters. Dieser, ein trichterförmiges Holzgefäss (15), steckt in einem quaderförmigen, auf vier Beinen stehenden Holzring. Unten an der Verengung ist der bewegliche Korngeber (16) angehängt, der über einen herausragenden Bolzen von einem im Mühlstein eingeklemmten, speziellen Ring (17) in Bewegung gehalten wird und das Korn in richtiger, regulierbarer Menge ins Mahlwerk einfliessen lässt.

Ganz raffiniert war die Einrichtung zum Einstellen der Feinheit des Mehls. Die Welle samt Wasserrad und rotierendem Mühlstein stand auf einem Lärchenbalken (vgl. 3). Dieser Lärchenbalken ruhte quer auf einem andern und hing am andern Ende an einer Stange, die über eine Schraube gehoben oder gesenkt werden konnte. Mit ihr hob oder senkten sich auch die ganze Welle und der laufende Mühlstein. So einfach war das. Ein Problem stellte sich für viele Müller, die nicht warten wollten, bis der gefüllte Korntrichter leer war. Sie wurden zu Erfindern, um die Mühle selbsttätig zu stoppen. Der letzte Müller in Ernen hatte im Trichter eine Klappe festgemacht. War der Trichter gefüllt, wurde die Klappe hinuntergedrückt. Diese war über eine Umlenkrolle am Dach mit einem Gewicht verbunden. War der Trichter leer, sprang die Klappe hoch, das Gewicht fiel auf die Leitung, die zum Wassereinlauf am Ende der Wasserzufuhr ging und dort mit einem Deckel verbunden war. Das Gewicht löste einen Bolzen, der den Deckel hielt. Dieser fiel nun zu und stoppte den Wassereinlauf, die Mühle stand still.

In seinem Buch «Das Goms und die Gomser», erschienen im Jahre 1903, sagte F. G. Stebler, dass in den Mühlen die Frucht einfach so heruntergemahlen wurde, auch das unreine Getreide, und dass sich alle diese Unreinigkeiten, darunter Stücke von Roggenähren, später im Brot wiederfinden.1)

Das Sieben des Mehls erfolgte meist von Hand mit dem Wollbeutel. Erst in neuerer Zeit wurden Seidenzylinder oder einfache Siebe eingebaut. Nur das zur Herstellung von Mehlspeisen (Knöpfli) benötigte Mehl liess man schon immer in der Mühle vom Krüsch säubern.')

Im Mehlkasten der Mühle von Ernen ist ein auswechselbares Sieb eingebaut und eine Schüttelvorrichtung dazu. Die Kleie wurde in einen am Mehlkasten angebrachten Behälter geschüttet und als Viehfutter verwendet.

Josef M. Imhof, in: Das harte Brot der Väter. Wir-Walser, Nr. 1/1985, Jahrgang 23, S. 3ff.
VS, 16. 11. 2010
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