FeldarbeitAckerbau

Howwu

[Einholen des Heus]

War auf einem Acker das Kraut entfernt, folgte in den nächsten Tagen die schwerste Arbeit, das Umbrechen, in der Walliser Mundart Howwu genannt. Die Bauern brauchten dazu eine Haue. Mit dem Maultier zu pflügen war aus Gründen der Geländebeschaffenheit und der geringen Fläche nicht möglich. Die einzige Ausnahme bildete die Familie Seiler, die ihren grossen Garten nördlich des Hotels Mont Cervin mit dem Pferd pflügte. Da in Zermatt die Äcker in steilerem Gelände lagen, kam die Spitzhaue, die Schpizzhowwa, zur Anwendung. Sie war herzförmig, mit einer scharfen Spitze. Der kurze, gebogene Stiel sass in einem Winkel von etwa 50 Grad zur Haue in der Öse. Das Howwu, eine kräfteraubende Arbeit, war Männersache und erforderte eine gute Kondition und Ernährung. Darauf deutet wohl die Redewendung hin: Är isst wie in Howwer. Deshalb führten die Männer diese Arbeit möglichst am frühen Morgen vor Sonnenaufgang aus. Sie erstreckte sich oft über mehrere Wochen bis zum Beginn der Heuernte. Manche Familien besassen weit über ein Dutzend Äcker. Aber nur auf der Hälfte davon konnte im selben Jahr Getreide angepflanzt werden. Der Rest blieb brach, oder man setzte Kartoffeln. Oft engagierten die Leute eine zusätzliche Hilfe. …….. Man begann jeweils am oberen Ende des Ackers, abwechslungsweise ein Jahr rechts und ein Jahr links. Wurde von links nach rechts ghowwut, umfasste man mit der linken Hand den Stil der Howwa unten und mit der rechten Hand oben. Brach man von rechts nach links um, war die Handhabung umgekehrt. Es galt als grosse Unkenntnis, wenn jemand bei dieser Arbeit die Haue verkehrt ergriffen hatte. Die Leute nannten es: uber d Hand howwu. Die Seite mit dem grösseren Grenzabstand zeigte an, wo man im vorangegangenen Jahr aufgehört hatte und folglich beginnen musste. Das Umbrechen geschah im sogenannten Kreuzstreich, aber nur einen Streich tief. Man führte abwechslungsweise einen Streich in Längsrichtung von oben nach unten, den nächsten quer von der Seite, praktisch rechtwinklig zum vorherigen. Daher wohl auch die Bezeichnung Chriizschtreich. Mit jedem Streich fasste man eine 10 – 15 cm dicke Erdschicht und legte sie auf die andere Seite der Furche, und zwar möglichst nach

oben, damit die fruchtbare Erde nicht nach unten glitt. Die Erdschicht jedes Streiches wurde untereinander abgelegt, das im Gegensatz zum Umbrechen beim Kartoffelsetzen. Sehr wichtig war, dass jede Erdschicht gleichzeitig mit dem Darlegen in einem Zug umgedreht wurde. So kam allfälliges Unkraut nach  unten und konnte besser verfaulen. Bevor man eine neue Furche begann, schob man mit der Haue den Mist in den entstandenen Graben. Eventuelle Schollen zerkleinerte man und ebnete die Oberfläche aus. So arbeitete sich der Howwer hangabwärts vom oberen Ende zum unteren vor und begann dann wieder oben. Bei grösseren Äckern waren oft mehrere Arbeiter gleichzeitig am Werk. Dann begann der älteste oben und übergab weiter unten an den jüngeren.  

Quelle:
  • Klaus Julen / Oswald Perren, Eine vergessene Welt, Die Berglandwirtschaft in Zermatt, Rottenverlag 1998, Seite 78

Begriffe:

Mit drei Streichen Obers wird zuerst die oberste Humusschicht gewendet. Mit zwei Streichen Unders und dem Schwaarber wir die restliche Humusschicht umgewendet. Der Schwaarber ist der letzte Streich, der den Humus schön sauber bis zum wilden Land wegnimmt.

(VS, 29. 11. 2010)
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