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Unnerhalt und Kontrollä vane Suone

[Unterhalt und Kontrollen der Suonen]

Suonen waren immer Werke einer Gemeinschaft, einer Gemeinde, einem Dorf, oder einer Eigentümergruppe. Nur einige wenige, in ihrer Bedeutung untergeordnete Suonen, waren in Privatbesitz.
Suonen waren meist in einer Art Genossenschaft organisiert. In dieser Genossenschaft hatte jeder Bewohner eines Dorfes seine Rechte, aber auch seine Pflichten - die es zu erfüllen galt. Der Gemeinschaft wichtigstes Ziel war es, die lebensnotwendige Wasserleite zu errichten und auch zu erhalten. Um zu verhindern dass Personen von ausserhalb des Dorfes, Kontrolle über die wichtigen Wasserrechte bekamen, mussten zum Beispiel Töchter, die ausserhalb des Dorfes heirateten, ihre Wasser- und Alprechte an andere Dorfbewohner verkaufen.
Um in diesem komplizierten Netzwerk von Beteiligungen und Verpflichtungen die Übersicht zu behalten, wurden schon früh genaue Reglemente erstellt, welche die Modalitäten des Unterhaltes, des Heranführen des Wassers und die Verteilung der Wässerzeit festlegte. Trotzdem kam es recht häufig zu Streitigkeiten um das kostbare Nass.

Der Unterhalt und die Kontrolle

Die Wasserleitungen mussten ständig kontrolliert und unterhalten werden. Die Arbeiten begannen jeweils einige Wochen vor der Inbetriebnahme im Frühjahr und dauerten bis in den Herbst.
Im Herbst, wenn die Wasserfassungen unterbrochen und die heiklen Teile geschützt waren, wurde die Suone stillgelegt und war winterbereit.
Sobald es die Schneeschmelze im Frühjahr erlaubte, wurde mit den Arbeiten für die Instandhaltung begonnen. Die Besitzer der Wasserfuhre beteiligten sich im Verhältnis ihrer Wasserrechte, am Fron- oder Handlangerdienst.
Schutt und Ablagerungen müssen aus der Rinne entfernt werden. Leitungselemente, welche vor dem Winter zum Schutz vor Lawinen oder Steinschlägen entfernt wurden, werden neu eingesetzt, beschädigte Teile ausgebessert oder wiedererrichtet.
In einem Dokument aus Savièse heisst es beispielsweise: "Zwei Wochen lang sind 200 Arbeiter vor Ort beschäftigt, derweil rund fünfzig Frauen und Kinder Säcke mit Weisstannenzweigen und Moos herbeischaffen. Damit werden Lücken zwischen den Brettern gestopft...."
Die Inbetriebnahme einer Suone im Frühjahr war oft eine "feierliche" Angelegenheit, die von einem gewissen Zeremoniell geprägt war. Der Tag begann mit dem Segen für die Arbeiter an der Wasserfassung.
Aufseher und Arbeiter folgen dann dem vorrückenden Wasser, kontrollieren den Zustand der Konstruktionen, stopfen Ritzen und entfernen letzte Hindernisse.
Um die Suone so gut als möglich abzudichten, benutzte man feinste Schwebepartikel. Frauen und Kinder haben Moos und Humus aus dem Wald geholt und damit hier und dort Häufchen angelegt.
Von der Strömung mitgerissen, bilden sie zuvorderst eine schlammige Masse - den béra - wie ihn die Savièser nennen. Damit sollen allerfeinste Spalten abgedichtet werden. Man muss allerdings den Schwebestoffen Zeit lassen, sich in diesen Ritzen abzulagern. Diese Aufgabe übernahmen die "Vouasseurs" (Schwimmer).

"...während sich einer der "Schwimmer" an der Staustelle zusammenkauert, um den ersten zähflüssigen Schwall aufzuhalten, springen die andern drei ins eiskalte Wasser, um die braune Walderde unters Wasser zu mischen. [...] Die Masse setzt sich am Tannenreisig fest, mit dem die Risse ausgelegt wurden und dichtet innert Minuten alle Lecks ab. Die Suone darf aber nicht überlaufen. Sobald daher das Wasser auf die richtige Höhe gestiegen ist, gibt der "métral" (Aufseher) einen Befehl und das lebende Stauwehr hüpft aus dem Kanal. Ein anderer "Schwimmer" ist auf dem Steg bereits vorausgegangen und rennt mit den ersten Wellen der Flut um die Wette, bis zur nächsten Staustelle. [...]" Patschnass, im eiskalten Wasser stehend, dichten die "Vouasseurs" so, sich abwechselnd, die Suon auf der ganzen Länge ab. Bei der Mündung am Hang, segnet der Pfarrer dann das ausfliessende Wasser. Ist die Suon einmal in Betrieb, werden die Unterhaltsarbeiten und die einfachen Reparaturen durch die Hüter, oder abwechselnd, durch die Besitzer selber ausgeführt. Meistens wird die Suon jeden Tag einmal abgelaufen. Bei einer längeren Suon werden für diesen "Überwachungsdienst"  Wasserhüeter mehrere Personen eingesetzt. Die Überwachung der "Bisse de Saxon", wird durch eine Gruppe von drei Hütern ausgeführt, die der Autorität eines Chefhüters unterstellt und in Hütten Hüeterhüüsi entlang der Suone einquartiert sind. Die Kontrolle der Suon hat selbstverständlich das Hauptziel, eine regelmässige Wassermenge zu sichern, so dass jeder Besitzer seine Fläche - im Rahmen der Zeit die ihm zusteht - ausreichend bewässern kann. Es muss auch verhindert werden, dass ein Bruch des Kanals, Schäden in den tiefer liegenden Gemeinden anrichtet. Die Geschichte der "Bisse du Levron" ist beispielsweise durchzogen von Konflikten mit den Bagnards, weil die überlaufende Suon immer wieder Schäden auf dem Gebiet von Sarreyer verursacht haben soll. Ebenso musste Visperterminen den Eyholzern enorme Summen zahlen, um die Schäden zu beheben, welche durch die Brüche seiner drei Suonen entstanden waren. Zusätzlich wacht der Hüter auch darüber, dass niemand das kostbare Nass unerlaubt ableitet. Der in den Suonenlauf gebaute Wasserschlegel Wasserschlegil, das Symbol der Überwachung schlechthin, ist das bekannteste Hilfsmittel des Hüters: Die Strömung treibt ein Schaufelrad an, dieses hebt einen Hammer an und lässt wieder auf ein hohles Brett fallen. Sinkt der Wasserstand ab, setzten die Hammerschläge ab und der Hüter ist alarmiert.

Quelle:
Ausführliche Informationen erhalten Sie unter http://www.suone.ch/
VS, 10. 12. 2010
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