Auf den Spuren der Walser

Situation in Europa

Europa zur Zeit der Walserwanderungen.

Wie stand es in Europa zur Zeit der Walserwanderungen um die Landbevölkerung?

Diese lebte mehrheitlich in wirtschaftlicher und persönlicher Abhängigkeit von adligen und klerikalen Grundbesitzern. In Westeuropa erreichte der Bevölkerungszuwachs einen Höhepunkt, der sich in der Vergrösserung und Neugründung von Städten und in der Kolonisierung bisher nicht oder kaum genutzter Flächen niederschlug. Holländer urbarisierten die Niederungen an Weser und Elbe, Flamen und Westfalen in der slawischen Landschaft Wagrein. Wenig später setzte die Ostkolonisation mit Wanderungen nach Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, Lausitz, Schlesien, Polen, Böhmen und Siebenbürgen ein, und in den Alpen wurden die Hochwälder systematisch gerodet. Die mittelalterlichen Walserwanderungen sind also keine isolierte Erscheinung, sondern stehen im Rahmen der grossen west- und mitteleuropäischen Kolonisationstätigkeit, die den Zweck hatte, der wachsenden Bevölkerung auf neuen Anbauflächen eine Existenz zu sichern, wie der Bündner Rechtshistoriker Peter Liver 1943 in der Abhandlung «Mittelalterliches Kolonistenrecht und freie Walser in Graubünden» gezeigt hat.

Für die Landwirtschaft brachte das Hochmittelalter Verbesserungen der Anbaumethoden und der Geräte. Bessere Pflüge und zweckmässiges Zuggeschirr und Verbesserungen an Sichel und Sense machten ein schnelleres Arbeiten möglich. Im 13. Jahrhundert hat sich im Alpenraum die Grossviehhaltung stark ausgebreitet, was die Intensivierung der Alpwirtschaft und den Bau neuer Wege auf die Alpen mit sich brachte. Weiter erfuhren der Bergbau und das Handwerk einen Aufschwung, und als die Städte Venedig, Pisa und Genua Konstantinopel als Handelsort verdrängten, nahm der Passverkehr über den Alpenkamm zu. In Transitorten wandte sich die Bevölkerung dem Säumerwesen zu; gleichzeitig fasste das Handwerk Fuss, eine Entwicklung, von der auch die Walser profitieren konnten. Aber das Hochmittelalter war auch eine Zeit der Kriege, Fehden und Solddienste. Das bekamen die Wallisersöldner und die Walsersiedler im rätischen Osten gelegentlich zu spüren. 

VS, 21.9.11
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