SpielKartenspiele

Troggu

[Tarot]

Der Gehängte, der Magier, der Narr, der Teufel, die Sonne, das Gericht - nur einige Symbole eines Tarot-Karten-Sets, vielen bekannt aus der Welt des Wahrsagens und Hellsehens, aus der Welt des Kartenlegens und Orakelns. Jene Karten können aber nicht bloss für den etwas nebulösen Blick in die Zukunft gelegentlich sehr frei interpretiert werden, mit einem ebensolchen Kartensatz wird auch dem traditionellen Kartenspiel "Troggu" gefrönt, einem Spiel aus der Tarock-Familie.

Von Norditalien herkommend und im 18. Jahrhundert in Europa weit ver­breitet, wurde das Wissen um "Troggu" allmählich spärlicher, die Karten verschwanden von den Stammtischen, aus den Alphütten und Stuben.

In Visperterminen konnte sich das Tarock-Spiel hingegen halten und wird auch heute noch von mehr als einer Handvoll Dorfbewohnern regelmässig praktiziert. Die leidenschaftliche "Troggerin" Renata Studer etwa trifft sich einmal im Monat mit anderen Frauen aus der Gemeinde zum "Troggu". Studer erlebt derzeit eine Renaissance des Spiels - auch ausserhalb von Visperterminen. "In den vergangenen Jahren erlernten mehr als 100 Perso­nen sowohl aus dem Wallis als auch Feriengäste die Regeln des "Troggu" bei mir und meinem Team", zeigt sich Studer zuversichtlich.

Sie kenne das Spiel schon von klein auf, sei damit aufgewachsen. "Meine Grosseltern haben mir das (Troggu) damals beigebracht und immer wieder langten wir anstatt zu den Jass- zu den Tarot-Karten. In einigen Terbiner Familien wurden Regeln sowie Spielpraxis von Generation zu Generation weitergegeben, sodass im Dorf immer irgendwo gespielt wurde", erinnert sich Studer, die "Troggu" im Oberwallis keinesfalls totsagt. Zumindest in Visperterminen gebe es neben ihrer Frauenrunde auch einige andere Gruppen, die dem Tarock-Spiel die Stange halten würden. Auch zu be­sonderen Anlässen im Dorf, etwa zum "Trüüch" oder zu verschiedenen Vereinstreffen, werden die Tarot-Karten hervorgenommen und Personen von Jung bis Alt mischen mit.

Obschon man beim "Troggu" auch Trumpfkarten, die sogenannten "Trog­ge", sowie Leerkarten und Leihen kennt, ist das Tarock-Spiel kein Pendant zum zünftigen Jass. Das Kartenspiel beinhaltet insgesamt 78 Blatt, von denen in Visperterminen 62 verwendet werden. Anstatt Pik, Kreuz, Herz und Karo sind die Karten in Schwerter, Stäbe, Kelche und Rosen unterteilt. "Verwirrend kann sein, dass neben den Figurenkarten König, Königin und Bube auch ein Ritter vorkommt, der mit drei Punkten zwischen Königin und Bube rangiert", weiss Studer: Für fachkundige anders, dürften auch die mit römischen Ziffern durchnummerierten 21 "Trogge" sein, die als ständige Trumpfkarten dienen. Sympathisch macht das Spiel obendrein, dass der Narr die höchste und wertvollste 22igste Trumpfkarte ist.

Die Terbiner spielen eine regionale Variante des Tarot-Spiels, das Tapp­Tarock. Ähnlich dem "Blind" beim Jassen werden einige der gemischten Karten versteckt als "Tapp" beiseite gelegt. Der Reihe nach entscheiden die Mitspieler nach dem Austeilen, ob diese den verdeckten Stapel aufnehmen möchten. Wer das wagt, darf die aufgenommenen Karten mit dem Blatt in der Hand ergänzen und spielt anschliessend gegen alle anderen. Erreicht der mit dem "Tapp" ausgestattete Einzelkämpfer mehr als die Hälfte der Punkte des gesamten Spiels, ist dieses gewonnen. In der bis zu siebenköp­figen Frauenrunde, in der auch Renata Studer einsitzt, wird immer auch um ein paar Centimes gespielt, die dem Gewinner von allen Verlierern geschuldet sind. "Die kleinen Geldbeträge machen das Spiel noch interes­santer, man überlegt sich einen Spielzug einmal mehr und der Siegeswille wird noch mehr entfacht", beschreibt Studer den besonderen Reiz, geht es um symbolische Geldbeträge. Traut sich niemand der Mitspieler an den "Tapp" in der Tischmitte, spielen die Frauen "Misere" und sollten möglichst keine Punkte auf ihr Konto einheimsen.

Für einige Karten entwickelten sich in Visperterminen im Verlauf der Zeit und während Generationen sehr besondere Namen. Dazu Renata Studer: "Der Gaukler wurde etwa vom französischen Wort (Bateleur) zum walliser­deutschen (Bogattji)." Ähnlich erging es der Trumpfkarte "Die Welt" die vom französischen Wort "Le Monde" nun "Der Mund" heisst. Schmunzelnd fügt Studer an: "Interessant ist auch, dass es ehemals einen Papst im Tarock-Set gab. Dieser wurde irgendwann durch den Juno ersetzt."

Sowohl die aparten Karten als auch der historische Hintergrund des Spiels macht das "Troggu" für die geübte Spielerin Renata Studer so besonders. "Sobald man die Karten und die wichtigsten Regeln kennt, ist das Spiel eigentlich ganz einfach", sagt sie beim Kartenmischen in einer urchigen Dorfbeiz. Flink werden danach die Karten gespielt, "Trogge" gezogen, der "Tapp" verschmäht oder geholt, Rappenstücke wechseln den Besitzer - "Troggu" ist lebendig, auf jeden Fall im Heidadorf.

Perrine Andereggen in: „Sport-Freizeit-Wellness“, Beilage zum Walliser Boten vom 29. März, 2013, S. 9.f.

Spielanleitung

vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Troggu

VS, 2.4.13
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