Sprichwort & Redensart

Das Sprichwort im Walliserdeutschen

Die geläufigsten Sprichwörter wie z.B. „Morgendstund hat Gold im Mund“ oder „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ braucht auch der Walliser in der Hochsprache; hingegen hat der Volksmund viele weniger bekannt ins Dialekt übersetzt; daneben gibt es noch eine eher geringe Anzahl Sprichwörter oder Redensarten, die nur lokal vorkommen.

Man kann Sprichwörter nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen; die folgende Gliederung richtet sich nach der Aussage: der lehrhaften Tendenz, dem Erfahrungsschatz.

Wie wirkt das Sprichwort, wie äussert es seinen Erfahrungsschatz . Es lassen sich  fünf verschiedene Gruppen unterscheiden, das Sprichwort wirkt:

  1. durch eine Warnung,
  2. Erfahrung und Beispiel,
  3. durch einen Rat oder Befehl,
  4. in Trost oder Klage,
  5. durch Tadel.
Quellen:
  • Volmar Schmid: Das Sprichwort im Walliserdeutschen. Lizetiatsarbeit, Uni Freiburg, 1978
VS, 4.12.11
"Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!""Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!"

"Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!"

Sprichwort & Redensart

Warnundi Sprichwerter

[Warnende Sprichwörter]

Das Sprichwort will die Menschen vor einer Situation, Handlung warnen, es will dem Menschen kommende Gefahren zeigen, ihm sagen "pass auf!".

Der Mensch wird vor Kommendem gewarnt, das Sprichwort übernimmt also eine pädagogische Aufgabe, d.h. es besitzt eine direkte lehrhafte Tendenz. Die Warnung kann speziell auf einen konkreten Fall zugeschnitten: Heiratu' Vogolti, de  vergeit der ds Pfiiffu. 'Heirate nur, dann wirst du ruhiger werden und dich einschränken müssen.' oder allgemein erfolgen:  Wes güet gee, gäbes in der Ee Chriiz und Liidu, wes schlächt gee,  mäges der Tiifil nit erliidu. bildet eine ganz allgemeine Warnung, die Ehe nicht auf die leichte Schulter zu nehmen

Viel Geschrei und wenig Wolle. Lutz Röhrich, 4/633Viel Geschrei und wenig Wolle. Lutz Röhrich, 4/633

Viel Geschrei und wenig Wolle. Lutz Röhrich, 4/633

Sprichwort & Redensart

Erfahrig & Bispiil

[Erfahrung & Beispiel]

Bei dieser Gruppe müsste eigentlich die Diskussion um die Definition des Sprichwortes einsetzen, denn diese Gruppe enthält Sprichwörter, die aus einer Erfahrung, einer oft simplen Feststellung bestehen, ohne jegliche Ambition jemanden zu belehren. Es wird also die lehrhafte Tendenz in Frage gestellt. Die lehrhafte Tendenz ist hier nicht so offensichtlich vorhanden, wie sie es z. B. bei der Warnung oder dem Ratschlag ist, sie wirkt eher durch die Erfahrung, die sie vermittelt. Sprichwörter dieser Gruppe wirken beispielhaft, also indirekt: Ledigi Liit, luschtigi Liit, gseet Mul schi nit, keert mu' schi wiit. Die Erfahrung, die Tatsache, dass die Jugend lustig, fröhlich und damit in ihrer Fröhlichkeit manchmal überlaut ist, soll Leuten, die sich daran stossen, zeigen, dass das nun einmal der Lauf der Dinge ist.

Sprichwort & Redensart

Raatschläg

[Ratschläge]

Sprichwörter erteilen Ratschläge; Wieder eindeutig und direkt eine lehrhafte Tendenz besitzen Sprichwörter, die einen Ratschlag geben: Besser gruwwus la gaa, als gruwwus bhaaltu.  Lieber gereut gehen lassen, als gereut behalten. Riemet du Göüch, de tüet är he öü. Rühmt den Trottel, dann macht er euch alles.  Die Sprichwörter dieser Gruppe vermitteln Ratschläge für den Alltag.

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Troscht & Chlag

[Trost & Klage]

Es gibt aber auch Sprichwörter, die wollen in gewissen Situationen Trost spenden:

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Tadulndi Sprichwerter

[Tadelnde Sprichwörter]

Das Sprichwort geht selten auf das ein, was schon geschehen ist. Es wirkt prophylaktisch Trotzdem kann diese kleine Gruppe als tadelnder Kommentar auf ein Geschehen betrachtet werden. Zwei Streitende, von denen jeder recht behalten, jeder besser sein will, tadelt man mit: Eis Mischtand ds andra Dräkch. Eines ist Mist und das andere Dreck.

Ins Graass biissu. Lutz Röhrich, 2/345Ins Graass biissu. Lutz Röhrich, 2/345

Ins Graass biissu. Lutz Röhrich, 2/345

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Sprichwertliche Redunsartä

[Sprichwörtliche Redensarten]

Unter sprichwörtlichen Redensarten versteht man bildhafte, feststehende sprachliche Wendungen. Sie müssen in einen Kontext eingebunden sein und sind meist von symbolischer Bedeutung. Im Gegensatz zu den Sprichwörtern unterliegen sie keiner festen syntaktischer Reihenfolge und Vollständigkeit und bestehen meist aus nicht mehr als zwei oder drei Satzgliedern (Subjekt, Prädikat und Objekt). Dennoch überschneiden sich die beiden Begriffe häufig. Auch unverbindliche bzw. nicht ernst gemeinte Worte werden als – in diesem Fall sinnentleerte – Redensart bezeichnet.

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